Einsatzmöglichkeiten
Das Format eignet sich besonders für konkrete, ethisch aufgeladene Konflikt- und Spannungsfälle mit mehreren, im Idealfall gegensätzlichen Perspektiven – etwa Tierschutz versus Infrastruktursicherheit oder Biodiversität, oder Klimaschutz versus individuelle Freiheitsrechte.
Weil die Position von der Gruppe und nicht von Einzelnen erarbeitet und vertreten wird, ist die Einstiegshürde niedriger als beim Methodenmuster Talkshow – das macht „Kontrovers, aber fair“ auch für jüngere Klassenstufen (ca. 5.–7. Jahrgangsstufe) sowie für sprachlich noch nicht so geübte Lerngruppen gut zugänglich.
Ablauf
Benötigtes Material
Rollenkarten für alle beteiligten Perspektiven (menschliche und nichtmenschliche Rollen möglich) mit je 2–3 Leitfragen (s. Beispielmaterial zum Download)
Plakate oder Kärtchen zur Ergebnissicherung der Gruppenarbeit (s. Beispielmaterial zum Download)
Ggf. ein akustisches Signal (Klangschale, Gong) für den Phasenwechsel
Für die Plenumsdiskussion: Tafel oder Whiteboard zur Visualisierung der Positionen
Vorbereitung
Die Lehrperson wählt für den jeweiligen Fall drei bis fünf Rollen aus, die unterschiedliche, im Idealfall gegensätzliche Perspektiven auf die Ausgangsfrage repräsentieren. Zu jeder Rolle wird eine Rollenkarte mit einer kurzen Beschreibung der Perspektive sowie zwei bis drei Leitfragen vorbereitet, die den Gruppen helfen, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen. Anders als beim Methodenmuster Talkshow ist keine vorbereitende Recherchephase notwendig; die Rollenkarten liefern alle für die Positionierung nötigen Informationen direkt.
1. Rollenzuteilung und Einarbeitung (ca. 15–20 Min.): Die Klasse wird in Kleingruppen zu 3–5 Schüler:innen eingeteilt, jede Gruppe erhält eine Rollenkarte. Die Gruppen lesen die Karte gemeinsam und beantworten die Leitfragen mündlich, bevor sie ihre Ergebnisse stichwortartig auf einem Plakat oder Kärtchen festhalten.
2. Vorstellung im Plenum (ca. 2 Min. pro Gruppe): Jede Gruppe stellt ihre Rolle und deren Position kurz vor. Anders als bei der Talkshow ist keine freie, individuelle Debattenperformance gefragt – die Gruppe trägt ihre gemeinsam erarbeitete Position vor, wobei sich mehrere Gruppenmitglieder die Redeanteile teilen können. Die Gruppe kann dabei selbst entscheiden, wer die Position vorträgt.
3. Kontroverse, aber faire Diskussion (ca. 15–25 Min.): Im Anschluss moderiert die Lehrperson ein offenes Klassengespräch. Leitfragen dafür können sein: Was sind die Unterschiede der Positionen? Wo widersprechen sich die vorgestellten Positionen? Welche Gruppe würde welcher anderen am ehesten zustimmen, welcher am wenigsten? Gibt es einen Vorschlag, der möglichst viele Positionen berücksichtigt? Entscheidend ist, dass kein Konsens erzwungen wird – Ziel ist, dass die Schüler:innen lernen, unterschiedliche, auch gegensätzliche Positionen auszuhalten und sich respektvoll aufeinander zu beziehen.
Differenzierungsmöglichkeiten
Anzahl und Komplexität der Rollen variieren: Für jüngere oder sprachlich schwächere Klassen eignen sich drei klar kontrastierende Rollen; für ältere oder leistungsstärkere Klassen können vier oder fünf Rollen mit feineren Nuancen vergeben werden (z. B. eine zusätzliche wirtschaftliche oder wissenschaftliche Perspektive).
Leitfragen auf den Rollenkarten unterschiedlich vorstrukturieren: von offenen Fragen (starke Gruppen) bis zu Satzanfängen und Auswahlantworten (schwächere Gruppen).
Bei sehr großen Klassen können mehrere Parallelgruppen dieselbe Rolle bearbeiten; die Ergebnisse werden vor der Plenumsdiskussion kurz zusammengeführt.
Mehr Informationen zu grundlegenden Differenzierungsmöglichkeiten
Quellenverzeichnis
Anselm, Sabine u. Alina Weigand (2022): Talkshow (gebundenes Rollenspiel). In: BNE-BOX. Methodische Anregung für das gebundene Rollenspiel. Online: https://www.bne-box.lehrerbildung-at-lmu.mzl.lmu.de/talkshow/ (letzter Abruf 20.07.2026)
Schell, Maximilian (2026): Die Nutria-Frage. Darf man ein Tier töten, um einen Deich zu retten? In: BNE-BOX. Fachdidaktisch konzipierte Lehr-Lernmaterialien für diskursiv gestalteten Unterricht in allen Fächern. Online: https://www.bne-box.lehrerbildung-at-lmu.mzl.lmu.de/die-nutria-frage/ (letzter Abruf 23.09.2026)
