Einsatzmöglichkeiten

Die Gerichtsverhandlung kann eingesetzt werden, um einen konfliktbeladenen Sachverhalt oder ein zuvor erarbeitetes Thema auszuhandeln, in seinen Facetten zu beleuchten oder zu vertiefen. Die Methode schafft es vor allem, lebensnahe Konflikte auch mit entsprechend realistischen „Werkzeugen“ der Gesellschaft abzubilden.

Die Chance besteht darin, im Spiel mehrere Perspektiven zu beleuchten und sich mit unterschiedlichen Argumentationssträngen – auch der Gegenseite – konfrontiert zu sehen, dabei aber weiterhin die eigene Position mit all ihren Konsequenzen zu artikulieren. Eine besondere Herausforderung kann in der Urteilsbegründung einer gespielten Gerichtsverhandlung gesehen werden: Sie kann Anlass dafür sein, diese Entscheidung vor dem Hintergrund eigener Leitbilder zu reflektieren.

Die feststehende Ordnung des Prozesses bedeutet für die Schüler:innen, die zugeteilte Rolle selbstständig vorzubereiten und zu durchdenken, um entsprechend handeln zu können. Dadurch wird einerseits die Entwicklung eigenständiger Planungsfähigkeit gefördert, andererseits wird es möglich, den Geltungsanspruch zunächst fremder Positionen kennen zu lernen oder sogar eine ganz neue Positionierung zu erspielen.

Ablauf

Benötigtes Material

  • Raum, der entsprechend umgebaut werden kann
  • Basisinformationen zum Ablauf einer Gerichtsverhandlung
  • Rollenkarten, Beobachtungsbögen, Anklageschrift, Reflexionsbogen

Vorbereitung

Noch vor der Rollenverteilung werden die Aufgaben und Funktionen in einer Gerichtsverhandlung thematisiert und eine kurze Einführung in das Thema Recht und Rechtsprechung gegeben (vgl. TERRA GWG o.J.; Schulz 2020). Nur so kann das Rollenspiel auch in einen größeren Zusammenhang eingeordnet werden. Außerdem wird von der Lehrperson Material für die unterschiedlichen Rollen zusammengestellt. So kann den Schüler:innen die Recherche bei ihrer Rollenausgestaltung erleichtert werden und diese können sich ganz auf den argumentativen Aufbau ihrer Position konzentrieren.

  1. Die Gerichtsverhandlung handelt einen oft konfliktbeladenen Sachverhalt oder ein zuvor erarbeitetes Thema aus. Auf diesem Sachverhalt aufbauend verfassen die Schüler:innen gemeinsam eine Anklageschrift (vgl. AB: Muster für eine Anklageschrift). Hilfreich ist es, vorab gemeinsam eine Musteranklage anzusehen. Die Anklageschrift zeigt vor allem auf, welche Straftaten dem/der Angeklagten vorgeworfen werden. Die Schüler:innen sollten darauf hingewiesen werden, dass allen Rollen der exakte Inhalt und das Ausmaß der Anklageschrift deutlich sein muss, denn ihre Argumentationen entfalten sich erst bezogen auf die Anklageschrift.
  2. Nach der Rollenaufteilung dienen die beigefügten Rollenkarten als Orientierungshilfe für die einzelnen Gruppen. Es folgt eine ausführliche Vorbereitungsphase, in denen die Schüler:innen sich mit ihren Rollen vertraut machen und sich je nach Rolle mit ihren gerichtlichen Vertreter:innen zusammentun und Argumentationsstrategien entwickeln und abstimmen.
  3. Der Klassenraum wird einem Gerichtssaal entsprechend hergerichtet. Sodann wird die Verhandlung eröffnet. Der Verhandlungsablauf ist dem Arbeitsblatt zu entnehmen. Dieser teilt sich in die Eröffnung der Anklage und die Verlesung der Anklageschrift sowie in den zweiten Teil, die Zeugenbefragung, auf.
  4. Mit der Urteilsverkündung kann eine weitere Phase folgen: Die Journalist:innen können noch einmal ihre Einschätzung zur Lage geben und vor dem Gerichtssaal über den heutigen Verhandlungstag berichten.
  5. Für die abschließende Reflexionsphase werden die Schüler:innen dazu aufgefordert, mithilfe eines Reflexionsbogens ihre Gedanken und Gefühle nach der Urteilsverkündigung festzuhalten. Dieser kann als Anknüpfungspunkt dienen, um in einem vertiefenden Gespräch die Gerichtsverhandlung mit der Klasse zu reflektieren.

Hinweise

Anders als im freien Rollenspiel wird im gebundenen Rollenspiel das Agieren der Schüler:innen durch Rollenkarten bestimmt. Dadurch entstehen Varianten der Rollendiskussion. Das bedeutet ganz konkret: In einer Talkshow findet eine andere Rahmung statt, als dies im Expert:innengespräch oder in einer gespielten Gerichtsverhandlung der Fall ist. In all diesen Formen des gebundenen Rollenspiels sind die Schüler:innen aufgefordert, entsprechend ihrer Rolle zu handeln, die Rollenkarte vorab zu verinnerlichen und sich ggf. damit zu identifizieren. Anregungen hierfür finden sich jeweils als separate Methodenmuster in der BNE-Box

BNE-Kompetenzen

In dieser Unterrichtseinheit werden folgende BNE-Kompetenzen von Lernenden besonders gefördert.

Quellenverzeichnis

Scholz, Lothar (2020): Methoden-Kiste (9. Auflage; hg. von der Bundeszentrale für politische Bildung). Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. Abrufbar unter: https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/methoden-kiste_aufl9_online.pdf (Stand: 13.03.2021).

TERRA GWG Gemeinschaftskunde Wirtschaft-Online (o.J.): Gerichtsverhandlung spielen, S. 210-211. Abrufbar unter: https://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/21840_210.pdf (Stand: 14.03.2021).