Einsatzmöglichkeiten

Stumme Schreibgespräche fördern durch den Wechsel von Mündlichkeit als oftmals regulärem Kommunikationsmodus in Diskursen zur Schriftlichkeit Konzentration und Fokussierung des Denkens sowie die Konkretisierung von Ansichten und Ideen. Zeitgleich werden neben diesen individuellen die sozial-diskursiven Komponenten durch die öffentliche Stellungnahme auf Papier und die im Anschluss stattfindende Auswertung der Beiträge (vgl. Scholz 2020, S. 13; ISB o.J.) wichtige Kompetenzen für und Komponenten einer nachhaltigen Entwicklung (vgl. KMK 2024, S. 6; 10f.) intensiviert.

Ein weiterer positiver „Nebeneffekt“ ist dabei, dass die Verschiebung von der Mündlichkeit in die Schriftlichkeit auch gerade den Schüler:innen einen Raum eröffnet, die sich im mündlich geprägten Unterricht sonst eher zurückhalten (vgl. BPB 2013). Im Schreibgespräch können zudem entweder alle Gruppen die gleiche Fragestellung an einem je eigenen Gruppentisch bearbeiten oder aber es kann ein vielschichtiges (wie es bei der BNE häufig der Fall ist, vgl. KMK 2024, S. 9f.) Thema in einzelne Einheiten unterteilt und an mehrere Gruppen verteilt werden (vgl. Scholz 2020, S. 13).

Die Methode eignet sich sowohl zur Aktivierung von Vorwissen in der Einstiegsphase als auch zur Erschließung und Diskussion von Inhalten in der Erarbeitungsphase einer Unterrichtseinheit, genauso aber auch zur (abschließenden) Sicherung oder zur Formulierung von Feedback (vgl. BPB 2013; ISB o.J.). Dass auf Papier visualisiert wird, hilft bei der Gedankensortierung und ermöglicht die Nutzung verschiedener kreativer Gestaltungsmöglichkeiten; das kann zusätzlich zur Multiperspektivität in der Ideenfindung und bei Aushandlungsprozessen beitragen.

Ablauf

Benötigtes Material

  • Papierbögen/Placemats (siehe die Downloads zu diesem Methodenmuster für eine Vorlage)
  • Akustisches Signal, um den Wechsel innerhalb der Arbeitsphase bzw. zur Bearbeitung des nächsten Abschnitts des Papierbogens anzuzeigen
  • Je nach Thema Informationsmaterialien oder Thesen als Impulse für das Schreibgespräch

Vorbereitung

Im Vorfeld eines Schreibgesprächs sollten Gruppentische zusammengestellt und Papierbögen bereitgelegt werden. Diese können auch bereits in Abschnitte unterteilt werden (sogenannte „Placemats“), wobei für jede Person am Tisch ein Abschnitt vorgesehen ist. Mittig kann die Themen- bzw. Fragestellung vermerkt werden.

  1. Zu Beginn der Methode finden sich die Schüler:innen an den bereits vorher eingerichteten Gruppentischen zusammen. Die Gruppeneinteilung kann durch die Schüler:innen selbst oder durch die Lehrperson (z.B. via Losverfahren) erfolgen.
  2. An den Tischen befinden sich entweder die bereits unterteilten und mit dem Thema versehenen Placemats (vgl. Methodenkartei der Universitäten Oldenburg und Vechta o.J.) oder diese werden erst mit dem Beginn des Schreibgesprächs ausgeteilt.
  3. Vor Beginn des eigentlichen Schreibgesprächs können Informationsmaterialien oder Thesen als Impuls von der Lehrperson präsentiert werden (vgl. ISB o.J.). Ein akustisches Signal markiert dann den Beginn der ersten Arbeitsphase: Die Schüler:innen können nun auf ihrem Teil des Papierbogens Stellung zum Thema beziehen, Fragen vermerken, Kommentare abgeben (vgl. Kirk 2014). Die Lehrperson sollte während des Prozesses darauf achten, dass nicht gesprochen, sondern nur geschrieben wird. Im Idealfall ist es im Raum still, was die Konzentration und den Austausch fördert.
  4. Nach einer festgelegten Zeit wird durch das akustische Signal die Weiterarbeit sowie damit verbunden ein Platzwechsel angezeigt: Die Schüler:innen wechseln im Uhrzeigersinn zum nächsten Abschnitt des Blattes, zu dessen Inhalt sie dann schriftlich Stellung beziehen können. Es ist zudem möglich Rückfragen zu stellen, Ergänzungen vorzunehmen und/oder neue Thesen auszuarbeiten.
  5. Das Schreibgespräch kann dann zum Ende kommen, wenn jede/r wieder an seinem anfänglichen Platz sitzt. Anschließend werden die Ergebnisse im Plenum ausgewertet und/oder präsentiert: Dies kann zum Beispiel durch einen Classroom Gallery Walk (vgl. Anselm & Weigand 2022) geschehen; es ist aber auch möglich, jeden Papierbogen einer anderen Gruppe zuzulosen und die Auswertungen dann im Plenum vorzustellen (vgl. Scholz 2020, S. 13).

Differenzierungsmöglichkeiten

  • Insbesondere in Lerngruppen, in denen bereits Vorwissen zum Thema bzw. zur Leitfrage des Schreibgespräches vorhanden ist oder die leistungsstark sind, kann dieses auch – anders als bei der Placemat-Methode – ohne eine Unterteilung des Papierbogens stattfinden. So können neue Bezüge und Verknüpfungen sowie spontane Assoziationen eingetragen und visualisiert werden. Ebenso ist es denkbar, verschiedene Fragestellungen auf unterschiedlichen Papierbögen zu vermerken. Eine weitere Variation ist es, dass die Schüler:innen frei im Raum herumgehen und schreiben (vgl. Scholz 2020, S. 13; ISB o.J.).
  • Anstatt mehrere Gruppentische zu nutzen, kann je nach Fragestellung bzw. Thema das Schreibgespräch auch direkt im Plenum stattfinden, z.B. auf einer langen Papierbahn (vgl. BPB 2013), die ebenfalls unterteilt werden kann, aber nicht muss.
  • Vor das Schreibgespräch lassen sich auch Methoden des Brainstormings schalten (vgl. exemplarisch Brühwiler 1994, S. 69f.).

Es ist auch denkbar, ein Schreibgespräch in einem DSGVO-konformen Rahmen digital durchzuführen, beispielsweise via TaskCards oder über eine schuleigene Plattform.

Mehr Informationen zu grundlegenden Differenzierungs­möglichkeiten

Quellenverzeichnis

Anselm, Sabine & Weigand, Alina (2022): Classroom Gallery Walk. Oder: eine Ausstellung mit Diskussionspotenzial. In: BNE-BOX. Fachdidaktisch konzipierte Lehr-Lernmaterialien für diskursiv gestalteten Unterricht in allen Fächern. Online: https://www.bne-box.lehrerbildung-at-lmu.mzl.lmu.de/classroom-gallery-walk/ (Stand: 10.04.26)

Bundeszentrale für politische Bildung (2013): Stummes Schreibgespräch. Online: https://www.bpb.de/lernen/angebote/grafstat/partizipation-vor-ort/155250/stummes-schreibgespraech/ (Stand: 10.04.26)

Brühwiler, Herbert (1994): Methoden der ganzheitlichen Jugend- und Erwachsenenbildung. 2. Auflage. Opladen: Leske + Budrich.

Kirk, Uta (2014): Anleitung Schreibgespräch. Online: https://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/AB_695260_3588eq_Schreibgespraech.pdf (Stand: 10.04.26)

Kultusministerkonferenz (2024): Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 13.06.2024). Online: https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2024/2024_06_13-BNE-Empfehlung.pdf (Stand: 10.04.26)

Methodenkartei der Universitäten Oldenburg und Vechta (o.J.): Placemat. Online: https://www.methodenkartei.uni-oldenburg.de/methode/placemat/ (Stand: 15.04.2026)

Scholz, Lothar (2020): Methoden-Kiste – Methoden für Schule und Bildungsarbeit. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) (o.J.): Schreibgespräch. Online: https://www.politischebildung.schule.bayern.de/fileadmin/user_upload/Demokratielernen/Methoden/Schreibgespraech.pdf (Stand: 10.04.26)