Hintergrundinformationen

Eine zentrale Herausforderung dieses Jahrhunderts ist der Kampf gegen den globalen Klimawandel. Die Weltgemeinschaft hat sich daher zum Ziel genommen, die Erwärmung der Erde auf maximal 1,5° C zu beschränken – eine Herausforderung, der sich auch der Dokumentarfilm „2040 – Wir retten die Welt“ annimmt. Dieser zeigt den jungen Familienvater Damon, der sich aufgrund der globalen Umweltschädigung um die Zukunft seiner vierjährigen Tochter Velvet Gedanken macht. Ins Bild gesetzt werden u.a. das Schmelzen der Gletscher, die Überschwemmung von Küstenregionen und der Zeitdruck im Angesicht der Klimakrise.

Dazu wird die Erde mit einem Haus verglichen und der natürliche Kohlenstoffkreislauf auf dem Planeten wird nachgezeichnet (vgl. bis 0:03:57). Damon begibt sich dazu in sein eigenes Haus. Hier entzündet sich der Ofen und Rauch und Wärme breiten sich in dem Haus aus, was die Situation bildlich verdeutlichen soll. Seit dem Einsetzen der industriellen Revolution ist das Gleichgewicht des Kohlenstoffkreislaufs aus den Fugen geraten. Die Folge: Aus der Atmosphäre kann die Wärme nicht mehr entweichen. Die Erde gleicht einem Haus mit geschlossenen Türen und Fenstern. Es werden auch noch weitere Phänomene benannt, die der stetigen Erwärmung der Erde folgen wie Extremwetterereignisse, nämlich das Abschmelzen der Polarkappen. Letzteres führt zum Anstieg des Meeresspielgels, sodass Menschen in Küstenstädten gefährdet werden (vgl. 0:05:48) Verbildlicht wird das im Film durch ein abtauendes Gefrierfach, aus dem Wassermassen strömen.

Anschließend nimmt der Film die Zuschauer:innen mit auf eine Reise, wie das Jahr 2040 aussehen könnte, würde man sich von negativen Zukunftsvisionen lossagen. Diesem konstruktiven Ansatz entsprechend wirft der Film die folgende Frage auf: „Wie könnte die Welt im Jahr 2040 sein, wenn wir die besten Strategien nutzen, die es heute schon gibt?“ (0:07:20). Damon nennt dieses Gedankenspiel eine Übung im wissenschaftlich fundierten Träumen. Was sodann folgt, darf ermutigen. Aufgezeigt wird, wie wir als Menschen auch in Zukunft leben könnten, ohne die Erde weiterhin auszubeuten bzw. den Anstieg der Klimagasemissionen voranzutreiben.

Damon erklärt im Film beispielsweise, dass 90% der eingeschlossenen überschüssigen Wärme von unseren Ozeanen aufgenommen werde (vgl. 0:04:43). Ein Großteil des zusätzlichen Kohlendioxyds könnte somit absorbiert werden. Allerdings führe dies wiederum zu einer Versäuerung der Ozeane (vgl. 0:04:52). Eine Versäuerung hat Konsequenzen für die Artenvielfalt der Meere.

Mit unterschiedlichsten Wünschen und Visionen kommen auch diejenigen im Film zu Wort, die einen großen Teil ihres Lebens noch in der Zukunft vor sich haben. Ihre Hoffnungen beleuchten – gepaart mit der Umsetzung bereits existierender Lösungsansätze – eine Zukunft, die Optimismus stiftet. Es werden Visionen gezeigt, die wegen einer Verknüpfung der Handlungsfelder von Energie, Verkehr, Landwirtschaft und besonders Bildung sowie gesellschaftlicher Teilhabe die Chance realisierbar erscheinen lassen, die eigene Zukunft zu wenden.

Die Dokumentation vermag dabei eine Geschichte zu erzählen, die sich in das Gerüst der Zukunftswerkstatt einfügt. Entsprechend nimmt der Unterrichtsentwurf dies zum Anlass, Schüler:innen zur Reflexion und zum kritisch-diskursiven Sprechen miteinander über die sehr persönlichen 2040-Vorstellungen anzuregen.

Ablauf

Benötigtes Material

  • Der Film „2040 – Wir retten die Welt“
  • Gruppenarbeitstische für jeweils 3–4 Personen
  • Stifte und pro Gruppe zwei Flipchart-Blätter
  • Informationsmaterial zu bereits vorhandenen Lösungen, an denen mögliche Visionen der Schüler:innen ansetzen können.
  • Visionäre Ideen für den Umgang mit bestehenden Problemen finden sich für die Bereiche „Mobilität und Verkehr“, „Wohnen und Wärme“, „Ernährung und Landwirtschaft“ sowie „Energieerzeugung und Energieverbrauch“ (Stand jeweils: 19.12.2023).
  • Zum Thema „Smart City“ kann Bezug genommen werden auf: https://www.bmwsb.bund.de/Webs/BMWSB/DE/themen/stadt-wohnen/staedtebau/smart-cities/smart-cities-node.html (Stand: 13.10.2023)
  • Zur weiterführenden Vertiefung können auch folgende Filme eingebunden (und ggf. miteinander verglichen) werden: „Tomorrow. Die Welt ist voller Lösungen“. Ein Film von Mélanie Laurent und Cyril Dion (F 2015) oder
    „Little yellow boots. Die Welt ist noch zu retten?“ (Finnland/Deutschland/ Russland/ Lettland/Norwegen 2017, Regie: John Webster). Dazu findet sich ein hilfreiches Arbeitsblatt von Ronald Ehlert-Klein unter der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE (Stand: 18.09.2023).

Vorbereitung

Im Klassenzimmer sind Gruppentische für drei bis vier Personen aufzubauen. Auf jeden Gruppentisch sind zwei Flipchart-Blätter und Stifte zu legen.
Wenn die Visionsphase noch stärker inhaltlich unterfüttert werden soll oder sich konkret auf eines der Themen „Mobilität und Verkehr“, „Wohnen und Wärme“, „Ernährung und Landwirtschaft“ sowie „Energieerzeugung und Energieverbrauch“ bezieht, kann hierzu vorab Recherchematerial zusammengestellt werden.

Durchführung

  1. Der gegenwärtige Zustand: Die Lehrperson zeigt die ersten Minuten des Films „2040 – Wir retten die Welt“ (Minute 00:00 – 0:05:55) und schafft damit einen unmittelbaren, evtl. sogar konfrontativen Einstieg. Diese erste Sequenz stellt die unmittelbare Gegenwart der sich erwärmenden Erde dar.Zunächst gilt es, diesen Zustand nachzuvollziehen, der im Film als das „gegenwärtige Dilemma“ (Minute 0:03:30) benannt wird und bildlich durch Damons (Protagonist und Regisseur) brennenden Ofen in seinem eigenen Haus bildhaft veranschaulicht wird.

    Standbild aus dem Trailer: „2040 – Wir retten die Welt“ (www.youtube.com/watch?v=TB_h6l2oMFc)

    Die Lehrperson kann den Trailer (je nach Altersstufe) mehrmals zeigen. Bei jüngeren Altersstufen bieten sich ein kurzes Unterrichtsgespräch und eine Arbeitsphase (beispielsweise unterstützt durch ein Arbeitsblatt) an, um die Tatsache der Erderwärmung für alle Schüler:innen als nachvollziehbaren Ausgangspunkt aufzuarbeiten. Dabei ist auch über die szenische und metaphorische Darstellung im Film zu sprechen, die ein sich stetig erwärmendes Haus zeigt. Die Symbolik von Flammen und Feuer (in den Wäldern, im Ofen) lässt die Klimaerhitzung sehr anschaulich werden

  2. Von Veränderungen und Zielkonflikten: Die Lehrkraft lässt den Film von Minute 0:05:55 bis 0:06:35 weiterlaufen. Mit dem Satz Damons, dass „[d]ie Erde, das Zuhause aller Menschen und damit eine Leihgabe nachfolgender Generationen“ (Minuten 0:05:57-0:06:01) ist, ergibt sich ein geeigneter Impuls für eine Anschlussdiskussion über Generationengerechtigkeit. Zugleich wird die Notwendigkeit einer enormen Reduktion von überschüssigem Kohlenstoffdioxid deutlich. Für die globale Herausforderung, den Energiebedarf der Menschen zu senken, bedarf es laut Damon technologischer Innovationen und ebenso sehr des gesellschaftlichen Verzichts. Sinnbildlich greift Damon in dieser Sequenz zu einem Eimer Wasser und unterstreicht, dass Emissionen schnell reduziert werden könnten. Damit wird das Verhältnis von Reduktion und Innovation als ein Leitprinzip verdeutlicht, das von den Schüler:innen (je nach Altersstufe) erkannt werden sollte. Daran anschließend sind auch die sich andeutenden gesellschaftlichen Zielkonflikte aufzuarbeiten. Eingeblendet werden der Titel „Bezahlte Übergangslösungen/Paid Transitions“ (Minute 0.06:07) und einige Arbeiter in blauen Overalls, die offensichtlich Kohle abbauen. Als Zuschauer:in wird man konfrontiert mit dem empörten Ausruf eines Kohlewerkarbeiters, als Damon seinen Wassereimer ausschüttet. Symbolisch wird mit dem Ende der Kohle auch die brennende Erde gelöscht. Deutlich wird an dieser Stelle, dass mit dem Zusammenspiel von Effizienz-, Suffizienz- und Subsistenzstrategien ein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wandel in der Arbeits- und Lebenswelt einsetzen muss. Zudem lässt sich erahnen, dass diese Veränderung zwangsläufig Konflikte in sich birgt und ein Spannungsfeld erkennbar werden lässt, das in der Utopie- aber auch der Realisierungsphase aufgegriffen werden und von der Lehrperson durch gezielte Fragen zur Diskussion gestellt werden.
  3. Hinführung zur Utopie-/Visions-Phase: Die Lehrperson zeigt nun den Film ab Minute 0:06:35 bis 0:08:03. Der Protagonist erläutert, inwiefern der derzeitige Stand der Klimaforschung niederschmetternd ist, dreht die Situation dann aber kurzerhand um und denkt darüber nach, was wäre, wenn wir eine andere Geschichte erzählen, d.h. eine, die Lösungen aufspürt und diese auch präsentiert, indem er formuliert: „Wie könnte die Welt im Jahr 2040 sein, wenn wir die besten Strategien nutzen, die es heute schon gibt?“ (0:07:20). Damit erhalten die Schüler:innen den Impuls für die nachfolgende Visionsphase der Zukunftswerkstatt. Um die Assoziationen der Schüler:innen zu sammeln, unterbricht die Lehrperson den Film für eine Austauschphase (mindestens 20 Min.) – und zwar noch bevor die Visionen des Films präsentiert werden. Damit wird für die Lernenden die Phase des wissenschaftlich fundierten Träumens eröffnet. Die Schüler:innen gehen zunächst für sich und dann in Kleingruppen den eigenen Vorstellungen für das Jahr 2040 nach. Diese Phase kann beliebig verlängert werden. Die Lehrperson kann Material zu Recherchezwecken bereitstellen, etwa zu womöglich bereits existierenden Ansätzen (s. Hinweise). Wichtig ist allerdings, dass auch utopisch erscheinenden Wünschen in dieser Phase des Weiterdenkens keine Grenzen gesetzt werden – nach dem Motto: Kreatives Träumen ist erwünscht!
  4. Realisierungsphase: Nach dieser visionären Phase geht es um eine konkrete Realisierung. Zunächst sollten sich die Schüler:innen in ihren Gruppen darüber klar werden, welche Kernanliegen in ihren Vorschlägen stecken. Gemeinsam verständigen sie sich über ein bis drei weiterzuverfolgende Visionen, um über diese in der Phase der Realisierung konkret zu beraten. Mögliche Handlungs- und Umsetzungsschritte zum Erreichen dieser visionären Vorstellungen werden formuliert. Auch bestehende oder zu erwartende Hürden und Schwierigkeiten werden festgehalten. In dieser Arbeitsphase kann eine unterschiedlich starke Vertiefung erfolgen. Im Anschluss an die Arbeitsphase der Jugendlichen werden die verschiedenen Realisierungsvorschläge im Plenum vorgestellt.
  5. Abschluss: Es bietet sich an, den Film gemeinsam zu Ende zu sehen, um sich die Palette möglicher Visionen vor Augen zu führen. Im Anschluss werden in einem Unterrichtsgespräch die eigenen Lösungsvorschläge mit denen des Films verglichen. Je nach Altersstufe und Lerngruppe sind auch bereits anklingende Zielkonflikte aus den ersten Filmszenen oder aus der vorherigen Arbeitsphase noch einmal in ihrer Gesamtheit aufzugreifen und mit Blick auf gesellschaftliche Transformationsprozesse zu diskutieren.Alternativ kann die Auseinandersetzung mit den auch von Damon Gameau erstellten „Stories from the regeneration“ von der Webseite „What’s your 2040“ (https://whatsyour2040.com/stories-from-the-regeneration/) erfolgen. Hier werden Ansätze vorgestellt, die heute schon in die Tat umgesetzt werden.

    Standbild aus dem Trailer: „2040 – Wir retten die Welt“ (www.youtube.com/watch?v=TB_h6l2oMFc)

Hinweise

  • An das Vorwissen der Schüler:innen kann mittels eines Arbeitsblattes angeknüpft werden. Es ist je nach Lerngruppe in sprachlichem Ausdruck und inhaltlicher Tiefe anzupassen.
  • Die UE ist durch eine stärkere inhaltliche Vertiefung im Gespräch und den Grad der wissenschaftlichen Auseinandersetzung an die jeweilige Altersgruppe anzupassen.
  • Zur Durchführung und Strukturierung kann ein entsprechend vorbereitetes Schüler:innen-Arbeitsblatt verwendet werden. Dieses befindet sich zusammen mit einer kommentierten Fassung mit Hinweisen für die Lehrer:innen im Materialienordner unter „Download“

BNE-Kompetenzen

In dieser Unterrichtseinheit werden folgende BNE-Kompetenzen von Lernenden besonders gefördert.

Globale Zusammenhänge erkennen und neue Perspektiven ausbauen: die Schüler:innen lernen bei der Auseinandersetzung mit dem Film und durch die daran anschließende Arbeit globale Zusammenhänge, die Verkettung unterschiedlichster Handlungsfelder kennen. Sie erweitern die eigene Sichtweise, indem sie sich in der Visions- aber auch Realisierungsphase der Zukunftswerkstatt selbst produktiv betätigen.

Fächerübergreifend Erkenntnisse gewinnen: die Schüler:innen handeln bei der Umsetzung ihrer Ideen vorausschauend und gewinnen durch miteinander verflochtene Handlungsfelder fächerübergreifende Erkenntnisse.

Gemeinsam mit anderen planen und handeln: die Schüler:innen lernen gemeinsam mit anderen, an Lösungsvorschlägen zu arbeiten und diese kooperativ auszugestalten. Sie haben Anteil an Entscheidungsprozessen und erwerben die Fähigkeit, sich und andere zur gemeinsamen Teilhabe zu motivieren.

Sich und andere motivieren können, aktiv zu werden: die Schüler:innen formulieren ihre konkreten Zukunftsvorstellungen und halten entsprechende Ideen zum Erreichen der Handlungsschritte fest. Besonders in der Phase der Realisierung diskutieren sie über Zielkonflikte und einen angemessenen solidarischen Umgang mit diesen.

Die eigenen Leitbilder und die anderer reflektieren: die Schüler:innen setzen sich mit Fragen nach den eigenen Lebens- und Wertvorstellungen auseinander und entwickeln im Austausch mit den Einstellungen anderer Wertereflexionskompetenz.

Selbstständig planen und handeln: die Schüler:innen planen während des gesamten Arbeitsprozesses selbständig in Kleingruppen und präsentieren anderen ihre eigenen Vorstellungen. Sie gehen im Austausch auf ihre Gruppenmitglieder ein und verhalten sich dem Vorhaben gegenüber reflexiv.

Mehr Informationen zum Zusammenhang von BNE-Kompetenzen von Lernenden und Lehrenden

Quellenverzeichnis

Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Klimawandel – Maßnahmen. Abrufbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/werkzeuge-der-anpassung/klimalotse/uebersicht-massnahmen (Stand: 18.09.2023).

Böttger, Ilona (2001): Zukunftswerkstatt. Abrufbar unter: https://www.sowi-online.de/praxis/methode/zukunftswerkstatt.html_1#kap5 (Stand: 18.09.2023).

Gameau, Damon: Corporate Program zum Film. Abrufbar unter: https://whatsyour2040.com/corporate/ (Stand: 18.09.2023).

Gameau, Damon: Stories from the regeneration. Abrufbar unter: https://whatsyour2040.com/stories-from-the-regeneration/ (Stand: 18.09.2023).

Schulz, Sven Christian (2019): Kinotipp: „2040 – Wir retten die Welt“. Abrufbar unter: https://utopia.de/ratgeber/kinotipp-2040-wir-retten-die-welt/ (Stand: 18.09.2023).

Umweltbundesamt (2020): Nachhaltige Mobilität. Abrufbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet (Stand: 18.09.2023).

Umweltbundesamt (2023): Boden – Fläche. Abrufbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-flaeche (Stand: 18.09.2023).

Umweltbundesamt (2023): Landwirtschaft. Abrufbar unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/landwirtschaft (Stand: 18.09.2023)

Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung: Zukunftswerkstatt. Abrufbar unter: https://lehrerfortbildung-bw.de/st_kompetenzen/
weiteres/projekt/projektkompetenz/methoden_a_z/zukunftswerkstatt/
(Stand: 06.01.22).