Hintergrundinformationen

Das Thema Nachhaltigkeitsaspekte bei Verpackungen spielt im Leben der Schüler:innen und der Lehrkräfte eine große Rolle und hat sich in Zeiten der Corona-Pandemie dadurch verschärft, dass viele Produkte nicht mehr in Geschäften gekauft werden konnten, Gerichte nicht mehr in Restaurants verzehrt werden durften, sondern stattdessen abgeholt oder geliefert wurden. Diese Praktiken stehen in direktem Zusammenhang zu Nachhaltigkeitsfragen, denn die Menge an Verpackungsmüll kann als Indikator für eine nicht-nachhaltige Lebensweise angesehen werden. Sie nahm über die vergangenen 20 Jahre kontinuierlich zu (s. dazu https://de.statista.com/infografik/19987/verpackungsverbrauch-in-deutschland/; Stand: 06.02.2021), und zwar insbesondere bei Kunststoffen (+79% im Vergleich zum Jahr 2000) und Papier (+34% im Vergleich zum Jahr 2000). Bereits vor der Pandemie sind im Jahr 2018 allein in Deutschland 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfall angefallen, also „rund 227 Kilogramm pro Kopf und Jahr, von denen 107 Kilogramm auf private Endverbraucher entfallen“ (Brandt 2020, o. S.).

Auch in der Industrie erfährt nachhaltiges Handeln mittlerweile zunehmend mehr Interesse, da so beispielsweise Energiekosten reduziert und entlang der Lieferkette große Einsparungen erzielt werden können, u.a. durch weniger und effizientere Verpackungsmaterialien. Zugleich werden durch bestehende Anreizstrukturen nach wie vor nicht-nachhaltige Praktiken unterstützt und Innovationen verlangsamt. Eine Verzahnung der drei Säulen der Nachhaltigkeit, Ökonomie, Ökologie und Soziales, wird zwar vielfach gefordert (vgl. de Haan 2007, S. 17) und bildet die theoretische Grundlage für ein umfassendes Verständnis von Nachhaltigkeit, wird in der Praxis aber noch kaum stringent umgesetzt. Die gleichzeitige Integration aller drei Säulen bzw. Ziele ist aufgrund von Zielkonflikten nicht ohne Weiteres zu erreichen und erfordert anstrengende Aushandlungsprozesse, die zunächst auch in Form von Kompromissen ein vorläufiges Ergebnis finden können.

Ablauf

Benötigtes Material

  • Informationstext
  • Arbeitsblatt für die zu entwickelnden Thesen
  • von der Lehrperson oder den Schüler:innen mitgebrachtes, aufwändig verpacktes Produkt
  • Rollenkarten mit Arbeitsanweisungen
  1. Im ersten Schritt erfolgt eine Sensibilisierung der Schüler:innen für das Thema „Verpackungsmüll“: Die Lehrperson bringt ein Paket mit, das ein vielfach und aufwändig verpacktes und im Vergleich zur Paketgröße relativ kleines Produkt enthält. Zwei der Schüler:innen dürfen es vor den Augen der Klasse auspacken (Aktivierung durch Selbsttätigkeit). Durch die Konfrontation mit den Mengen an Verpackungsmüll, die dadurch im Raum zu sehen sind, entsteht ein Moment der Irritation, der das Interesse weckt und für die emotionale Involvierung aller sorgt.
  2. Anschließend wird in Kleingruppen die Frage bearbeitet, wie jede und jeder Einzelne einen Beitrag zur Lösung der Verpackungsmüllproblematik leisten kann: Die Schüler:innen sollen die im Text des Arbeitsblattes „Wohin mit Deutschlands Verpackungsmüll?“ verwendeten Thesen, Begründungen und Beispiele finden und diese in das vorbereitete Arbeitsblatt eintragen. Darüber hinaus bietet diese Vorlage auch Raum für weitere Argumente, die die Schüler:innen ggf. finden. Der Text dient zum einen als Mittel zur Erarbeitung von Argumenten, zum anderen zur Vermittlung von Faktenwissen.
  3. Im Anschluss an diese Erarbeitung erhalten die Schüler:innen Rollenkarten und arbeiten dazu in rollenbezogenen Gruppen (1. Phase des Gruppenpuzzles). Auf diese Weise findet ein intensiver Meinungsaustausch zum Thema statt und die erarbeiteten Argumentationslinien werden reflektiert. Dies ist eine Voraussetzung und Grundlage dafür, in der darauffolgenden thesengeleiteten Rollendiskussion fundiert die Position der zugewiesenen Rolle z.B. als Naturschutzvertreter:in, Firmenchef:in, Konsument:in, Vertreter:in der kommunalen Abfallentsorgung, Moderator:in vertreten zu können.
  4. Anschließend finden sich die Schüler:innen in den aus Stammgruppen gemischten Gruppen (2. Phase des Gruppenpuzzles) zusammen, in denen sie die Thesen ihrer zugeteilten Rollen verteidigen und diskutieren sollen. Jeweils eine Person aus der Gruppe der Moderator:innen erhält die Aufgabe, die Expert:innengruppe zu moderieren und achtet auf die Einhaltung der Diskussionsregeln. Als zusätzliche Hilfestellung erhält diese Person eine Karte mit konkreten Aufgaben.
  5. Die Ergebnisse der Diskussion werden jeweils auf einem Plakat festgehalten, allerdings ohne vorher zu konkrete Anweisungen zu geben, um die Gestaltungsfreiheit der Schüler:innen nicht einzuschränken. Anschließend werden die Plakate vorgestellt und ggf. diskutiert.
  6. Ein erheblicher Teil der Unterrichtseinheit wird darauf verwendet, gemeinsam nach Lösungsvorschlägen und alternativen Konzepten zu suchen. Dabei sollte die Lehrperson darauf achten, dass nicht nur die individuelle Sphäre beleuchtet wird (vgl. Tipps zur Vermeidung von Verpackungen und Müll), sondern auch auf politischer, wirtschaftlicher oder technischer Ebene Ideen diskutiert werden. Hier ließen sich auch Impulse von Kolleg:innen anderer Fächer wie Chemie oder Werkstoffkunde einbringen oder für das Beschaffungswesen an Schulen erarbeiten.
  7. Die Plakate werden schließlich im Klassenraum aufgehängt, um Anregung für weiterführende Auseinandersetzung zu bieten.

BNE-Kompetenzen

In dieser Unterrichtseinheit werden folgende BNE-Kompetenzen von Lernenden besonders gefördert.

Globale Zusammenhänge erkennen und neue Perspektiven ausbauen: Die Schüler:innen vergleichen nachhaltige und nicht-nachhaltige Verpackungspraktiken und bewerten sie nach unterschiedlichen Maßstäben.

Fachübergreifende Erkenntnisse gewinnen: Die Schüler:innen stellen Konzepte der Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen (hier: Ökonomie, Handel und Konsum) anhand des Beispiels nachhaltiger Verpackungen dar.

Risiken, Gefahren und Unsicherheiten erkennen und abwägen: Die Schüler:innen analysieren und beurteilen die Nachteile nicht-nachhaltiger Verpackungen.

Gemeinsam mit anderen planen und handeln: Die Schüler:innen benennen und analysieren in einem Rollenspiel unterschiedliche Standpunkte zu nachhaltigen Verpackungen und diskutieren diese kontrovers.

An Entscheidungsprozessen partizipieren: Die Schüler:innen diskutieren, wie Problemlösestrategien im Umgang mit Verpackungsmüll sowie die Entwicklung nachhaltiger Verpackungen kooperativ realisiert werden können.

Die eigenen Leitbilder und die anderer reflektieren: Die Schüler:innen analysieren und bewerten ihre eigenen Lebensstile und die anderer auf deren Nachhaltigkeit hin und beschreiben mögliche Vorschläge einer positiven Veränderung. Sie erkennen die Notwendigkeit, auch auf politischer Ebene Rahmenbedingungen für eine nachhaltig agierende Wirtschaft zu schaffen.

Selbstständig planen und handeln: Die Schüler:innen üben ihr diskursives Handeln, erkennen ihren eigenen Handlungsspielraum aber auch dessen Grenzen vor dem Hintergrund des Ziels nachhaltiger Entwicklungsprozesse.

Mehr Informationen zum Zusammenhang von BNE-Kompetenzen von Lernenden und Lehrenden

Quellenverzeichnis

Brandt, Mathias (2020): 227,5 kg Verpackungsmüll pro Kopf. Abrufbar unter: https://de.statista.com/infografik/19987/verpackungsverbrauch-in-deutschland/ (Stand: 05.02.2021).

de Haan, Gerhard (2007): Orientierungshilfe. Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Sekundarstufe I. Begründungen, Kompetenzen, Lernangebote. Berlin: Bundesministerium für Bildung und Forschung.

de Haan, Gerhard; Kamp, Georg; Lerch, Achim et. al. (2008): Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Grundlagen und schulpraktische Konsequenzen. Ethics of Science and Technology Assessment, Bd. 33. Berlin: Springer.