Hintergrundinformationen

Deutschland gilt als Recycling-Weltmeister, zugleich aber auch als der größte Produzent von Verpackungsmüll und zählt zu den größten Abfallverursachern Europas (vgl. EP 2018). Weltweit besteht dringender Handlungsbedarf bezüglich der Herstellung und dem Verbrauch von Plastik, denn die Meere sind voll mit Plastikmüll, der zum einen die Lebewesen in und am Meer schädigt und zum anderen in abgebauter Form giftige und hormonell wirksame Inhaltsstoffe freigibt, die nicht vollständig zersetzt werden und in der Folge als Kleinstpartikel bzw. Mikroplastik im Meer bleiben – mit verheerenden Folgen für die dort lebenden Organismen.

Nicole Intemanns Erzählung „Plastian, der kleine Fisch …und wie er mit seinen Freunden auf einer abenteuerlichen Reise die Welt ein bisschen besser macht“ (2016) greift genau diese Thematik auf: Das Bilderbuch erzählt die Geschichte der Geschwister Moritz und Lilli, die in einer zukünftigen Welt leben, in der die Natur vom Plastikmüll verdrängt wurde. Neugierig gemacht von den Erzählungen ihrer Uroma über eine Insel, die noch in einem ursprünglichen und unberührten Zustand ist, machen sie sich auf die Reise. Dort angekommen erleben sie die Schönheit des Urwaldes und einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Im Laufe der Geschichte werden die Kinder mit der Problematik des Plastikmülls konfrontiert, den auch sie selbst im Meer hinterlassen. Sie bemerken, dass das Meer verschmutzt ist und die Tiere darunter leiden: Am Beispiel des Fisches Plastian wird gezeigt, wie schlecht es ihm geht, nachdem er Plastikstücke gefressen hat. Die Kinder beginnen daraufhin, Meer und Strand von Plastikmüll zu befreien sowie Bäume zu schützen bzw. neue Bäume zu pflanzen. Der Text wird durch zahlreiche Illustrationen ergänzt, wobei zwischen beiden Ebenen Wechselwirkungen und komplexe Zusammenhänge entstehen. Im Förderschulbereich kann der Textumfang an die Fähigkeiten der Kinder angepasst werden (vgl. verkürzte Version des Textes).

Ablauf

Benötigtes Material

  • (ggf. vereinfachter) Text „Plastian, der kleine Fisch“
  • Bildkarten
  • Netz, Erde, Blumensamen
  • Flasche mit sauberem/verschmutztem Wasser
  • (Plastik-)Müll, den die Lehrperson mitbringt (zuvor reinigen!)

Vorbereitung

Vor Beginn der UE verteilt die durchführende Lehrkraft um das Pult und die Tafel herum Plastikmüll (Flaschen, Tüten, Kanister etc.), der später von der Klasse aufgesammelt, sortiert und in Boxen zusammengetragen wird. Diese Bewegungsaufgabe dient der Aktivierung der Schüler:innen sowie zur Auflockerung der Stunde. Zudem wird die Box mit den Joghurtbechern später für das Upcycling verwendet. Dafür muss allerdings eine bestimmte Anzahl an optisch gleichen Joghurtbechern bzw. zurechtgeschnittenen Plastikflaschen mit abgeklebten Kanten mitgebracht werden. Diese vorbereiteten Materialien legt die Lehrkraft während der Unterrichtseinheit zum restlichen Plastik. Wichtig ist später der Hinweis, dass die verwendeten Plastikflaschen keine Pfandflaschen sein sollten, da eine spätere Rückgabe durch das „Upcycling“ nicht möglich sein wird.

Durchführung

Im Vorfeld der UE liest die Lehrkraft gemeinsam mit der Klasse den ersten Teil der Erzählung „Plastian, der kleine Fisch“ (bis S. 18).

  1. Zu Beginn dieser Unterrichtseinheit wird das Vorwissen der Schüler:innen über den ersten Teil der Erzählung mithilfe von Bildkarten, auf denen die Protagonist:innen und zentrale Begriffe der Geschichte zu sehen sind, reaktiviert.
  2.  Anschließend wird das Buch (ggf. in vereinfachter Textform; siehe Zusatzmaterial) ab Seite 19 weitergelesen. Die Bilder werden den Schüler:innen im Stuhlkreis gezeigt, während die Lehrkraft den vereinfachten Text zum Lesen hinter dem Buchumschlag befestigt. Die Lehrkraft liest den Text in Abschnitten vor, bespricht dazwischen passende Textstellen und Illustrationen, stellt Fragen an die Schüler:innen und bringt Anmerkungen zum Thema an.
    Auf Seite 20 wird eine Unterbrechung gemacht, um den Unterschied von sauberem und verschmutztem Wasser deutlicher herauszuarbeiten. Dazu wird je eine große Flasche mit sauberem und verschmutztem Wasser als reales Objekt herumgereicht und Bilder entsprechender Strände als visueller Reiz betrachtet. Die Schüler:innen sollen sich dazu äußern und verstehen, dass nicht nur wir uns unwohl fühlen, wenn wir von Müll umgeben sind, sondern dass der Müll auch schädlich für Böden, Gewässer und Lebewesen ist.
    Die Lehrkraft schließt auf den Seiten 21/22 eine Phase der Selbstreflexion an. Ausgehend von der Geschichte reflektieren die Schüler:innen, welche Motivation die Protagonist:innen antreibt für eine saubere Umwelt zu sorgen, und überlegen, welche Möglichkeiten zur Reduzierung von Plastikmüll es im eigenen Alltag gibt. So können die Schüler:innen beispielsweise nach dem entstandenen Plastikmüll durch ihre eigene Brotzeit oder bis dato an diesem Tag Gegessenes oder Verbrauchtes gefragt werden. Gemeinsam können mögliche Alternativen diskutiert werden, um den im Alltag anfallenden Plastikmüll zu vermeiden (z.B. die Verwendung einer Brotzeitbox statt Frischhaltefolie etc.)
  3. Das Buch wird zu Ende gelesen und bei Bedarf durch Rückfragen überprüft, ob die Schüler:innen das Vorgelesene verstanden haben. Gemeinsam wird u.a. der Frage nachgegangen, was die Protagonist:innen mit dem gefundenen Müll machen. Um den Übergang zum anschließenden Upcycling-Projekt zu gestalten, wird der letzte Satz des Buches „Auch aus altem Plastik kann man etwas Brauchbares machen“ nochmals besonders hervorgehoben und gemeinsam besprochen.
  4. Die Schüler:innen werden nun aufgefordert den verteilten Müll aufzusammeln und in verschiedene Boxen zu sortieren. Sie verwenden dann je nach vorhandenem Material die mitgebrachten Joghurtbecher bzw. Plastikflaschen, um daraus Blumentöpfe herzustellen. Die Aufgabe der Schüler:innen ist nun die individuelle kreative Gestaltung der Joghurtbecher bzw. Flaschen mit verschiedenen Materialien (z.B. mit Acrylfarben, Pappmaschee und Leim).
  5. Nach der Fertigstellung und Befüllung mit Erde trifft sich die Klasse nochmals im Stuhlkreis. Die Pflanzensamen werden eingepflanzt und gegossen und die entstandenen Werke gewürdigt. Abschließend werden die Blumentöpfe an einen geeigneten Platz gestellt, der gemeinsam mit den Schüler:innen gefunden werden soll. Die Beobachtung der wachsenden Pflanzen und deren Versorgung werden zum morgendlichen Auftrag für die nächsten Tage.
  6. Zur Vertiefung und Weiterführung der in dieser UE behandelten Thematik kann es sich anbieten, verschiedene Folgeprojekte in der Lerngruppe oder an der Schule zu initiieren: So kann beispielsweise ein „Recycling-Dienst“ in der Klasse etabliert werden, bei dem die Schüler:innen in abwechselnd zugeteilten Gruppen den Müll im Klassenraum sammeln und bei der Entsorgung auf eine entsprechende Trennung achten. Um den Müll nicht nur im Klassenraum, sondern an der Schule insgesamt zu reduzieren, können beispielsweise auch sog. „Clean-Ups“ organisiert werden, bei denen in regelmäßigen Abständen (z.B. einmal im Monat) der Müll im und rund um das Schulgebäude gesammelt und entsorgt (bzw. „recycled“ oder „upcycled“) wird. Auf diese Weise erhalten die Schüler:innen die Gelegenheit, in der Gemeinschaft mit anderen einen verantwortungsbewussten Umgang mit der eigenen Umwelt einzuüben.

Hinweise

Im Sinne der lautsprachunterstützenden Gebärden werden Schlüsselwörter verwendet und das Gesagte wird häufig mit Bildmaterial visualisiert. Zudem kann eine stark vereinfachte Adaption des Originaltextes verwendet werden.

BNE-Kompetenzen

  • Globale Zusammenhänge erkennen und neue Perspektiven ausbauen: Die Schüler:innen erkennen und reflektieren die weltweiten Auswirkungen eigener (Plastik-)Müllproduktion auf die Umwelt, insbesondere die Meere.
  • Fächerübergreifend Erkenntnisse gewinnen: Die Schüler:innen schulen ihre Kompetenz zum Textverstehen, auch mithilfe der visuellen Unterstützung durch Bilder, und erwerben zugleich Wissen über die Problematik von Plastikmüll sowie mögliche Strategien zur Reduktion desselben.

  • Sich und andere motivieren können, aktiv zu werden: Die Schüler:innen lernen Upcycling als eine mögliche Strategie der Wiederverwendung von vermeintlichem Müll kennen und wenden diese auf ihren Alltag an.
  • Gemeinsam mit anderen planen und handeln: Die Schüler:innnen diskutieren gemeinsam über Handlungsalternativen im Umgang mit Plastik und erleben Selbstwirksamkeit im Prozess des Upcyclings.

  • Die eigenen Leitbilder und die anderer reflektieren: Die Schüler:innen reflektieren die Entstehung von Plastik- und Verpackungsmüll, auch im eigenen Lebensstil.
  • Empathie und Solidarität für Benachteiligte zeigen: Die Schüler:innen übernehmen die Perspektive der literarischen Figur „Plastian“ und entwickeln Verständnis und Mitgefühl für dessen Leiden aufgrund der Meeresverschmutzung.

Mehr Informationen zu den BNE-Kompetenzen

Quellenverzeichnis

EP – Europäisches Parlament (2018): Plastikmüll und Recycling in der EU: Zahlen und Fakten. Abrufbar unter: https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/
20181212STO21610/plastikmull-und-recycling-in-der-eu-zahlen-und-fakten
(Stand: 18.02.2021).

Intemann, Nicole (2016): Plastian, der kleine Fisch. München: oekom. (Bildkarten und vereinfachter Text mit freundlicher Genehmigung der Autorin)