Hintergrundinformationen

Durch die häufig gegebene unübersichtliche Vielfalt von Lebensmittelprodukten kann sich ein durchschnittlicher Einkauf im Supermarkt schnell zu einer unerwünschten Komplexität entwickeln. Dabei stellt jedoch nicht allein die Überauswahl an verschiedenen Hersteller:innen eine alleinige Problematik dar, vielmehr muss man sich bei der Erkundung der jeweiligen Produktunterschiede darüber hinaus zwangsläufig mit einem Labyrinth aus Waren und Inhaltsstoffen auseinandersetzen (vgl. Schnell, 2020). Entscheidungshilfen können neben vertrauten Markenzeichen auch einzelne hervorgerufene Produkt- undHerstellungsmerkmale leisten, wobei letztere zunehmend bei einer ökologischen und sozialen Erwartungshaltung in den Vordergrund treten. Um solche herausstechenden Faktoren zu unterstreichen, werden Produkte mit Labels versehen oder sich den unterschiedlichste Verpackungsmechanismen wie beispielsweise der Farbe und dem Material bedient. Hierbei ist ohne grundlegende Recherche für Konsument*innen jedoch nicht klar ersichtlich, ob dies für die Kaufentscheidung notwendige und dementsprechende zielführende Informationen sind oder es sich schlichtweg um gut eingesetztes Greenwashing handelt.

Unter Greenwashing wird dabei eine Strategie verstanden, mit der ein Image der ökologischen Verantwortung angestrebt wird. Hierbei werden bewusst grüne Behauptungen verwendet, die das Produkt oder das Unternehmen nachhaltiger erscheinen lassen, als es tatsächlich ist (Grimm & Malschinger, 2021). Da es sich hierbei jedoch nicht per se um Unwahrheiten handeln muss, resultiert für die Konsument*innen eine hohe Undurchsichtigkeit über die faktischen Nachhaltigkeitsaspekte der Unternehmen. Eine Möglichkeit dagegen vorzugehen, ist das Versehen von Labels, welches eine Orientierungshilfe für bewussten und nachhaltigen Konsum darstellen kann.

Bei einem Kauf eines mit Label versehenen Produkts vertrauen die Konsumt*innen darauf, dass durch die Wahl eines nachhaltigen Produktes ein positiver sozialer und/oder ökologischer Effekt entsteht (Siegelklarheit, 2021). Grund hierfür ist das Aufweisen von Nachhaltigkeitsaspekten, welche als solche zunächst notwendig für die Zertifizierung sind und bei regelmäßigen Kontrollen überprüft werden. Auch bei den Labels ist in den letzten Jahren ein deutlicher Anstieg zu vermerken (Siegelklarheit, 2021). Dies führt dazu, dass sich zertifizierte Produkte ohne grundlegenden Überblick eher verwirrend als richtungsweisend herausstellen. Meist fehlt es hierbei bewusst an der doch so notwendigen Transparenz, sodass diese allgemein an ihrer Glaubwürdigkeit verlieren und selbst oft als Greenwashingmethode angesehen werden.

Als grundsätzliche Frage stellt sich jedoch, ob der Einsatz von Labels das erwünschten Ziel anstrebt. Es ist durchaus kritisch zu hinterfragen, warum Produkte, die auf umweltschädlichen und menschenrechtsverachtenden Herstellungsmethoden beruhen überhaupt einen Platz auf dem Markt erhalten. Ist es hier nicht die Pflicht des Staates, Richtlinien vorzugeben, sodass die Grundlage eines jeden Produktes einen gewissen Mindeststandard vorweisen sollte? Ist es beim Nichteinhalten solcher Richtlinien nicht sinnvoller, Strafen zu verhängen anstatt wie derzeit umgekehrt Unternehmen für eine bestimme Zertifizierung bezahlen zu lassen? Und wenn solche Richtlinien schon nicht eingeführt werden, sollte es zumindest nicht staatliche Kontrollen für alle Labels geben, um nicht aussagekräftige oder sogar täuschende Zertifizierungen zu entfernen? Einer solchen kritischen Auseinandersetzung mit Greenwashingmethoden und dem Einsatz von Labels widmet sich die folgende Unterrichtseinheit.

Ablauf

Benötigtes Material

  • Material für die Gruppenarbeiten
  • Handouts (Greenwashing, Label)
  • Buntes Papier (für Pro und Kontra Argumente Label)

Vorbereitung:

Material für die Gruppenarbeiten vorbereiten: Ausdrucken, Ausschneiden, ggf. weitere Werbungen oder Labels ergänzen.

Mithilfe der Methode des Positionsbarometers wird eine erste individuelle Begriffseinordnung geschaffen. Dies ermöglicht einerseits die kognitive Aktivierung zu dem Thema, andererseits verdeutlicht es die vage Definition des Begriffes. Darauffolgend teilt die Lehrkraft den Lernenden das Handout aus, lässt dies kurz in Einzelarbeit durchlesen und greift im Plenum die in der Literatur vorzufindende Begriffsdefinition auf. Anschließend werden gemeinsam Beispiele zu den Methoden formuliert.

  1. Daraufhin finden sich je nach Klassengröße die Lernenden in 4-6 Gruppen mit je 4-6 Personen zusammen und führen den Arbeitsauftrag zum Thema Greenwashing aus. Hierfür haben die Lernenden zwischen 15-20min Zeit. Die Lehrkraft geht währenddessen von Gruppe zu Gruppe und setzt – wenn es für die Weiterarbeit benötigt wird – hilfreiche Impulse.
  2. Im Plenum wird zusammengefasst, welche Greenwashing-Methoden bei der Verpackung und Werbung gefunden wurden. Nach der Ergebnissicherung kann im Anschluss u.a. Fragestellungen nachgegangen werden, ob es sinnvoll wäre, dass der Staat hierzu klare Vorgaben und Grenzen setzt. Eine umfassende Reflexionsrunde findet jedoch am Ende der Stunde, also nach der Behandlung der Labels, statt.

Label-Dschungel

  1. Für den zweiten Teil der Stunde wird zunächst die Methode des Kartenspiels von Nobodys Perfect verwendet. Diese ermöglicht es, den Lernenden zu verdeutlichen, inwiefern es als Konsument:in undurchsichtig ist, nachzuvollziehen, für was ein Label steht. Dieses wird in Partnerarbeit durchgeführt.
  2. Je nach Klassengröße werden die Lernenden anschließend in 4-6 Gruppen mit je 4-6 Personen eingeteilt (s.o.). Jede Gruppe erhält das Material und die ausgedruckten Arbeitsanweisungen. Für die Verständlichkeit des Arbeitsauftrages demonstriert die Lehrkraft zu Beginn der Gruppenarbeit an der Tafel kurz die Anordnung des Materials (vgl. Produktlebensweg). Für die Bearbeitung wird ein Zeitrahmen von ca. 20-30min empfohlen, kann je nach Fortschritt der Gruppen angepasst werden.
  3. Die abschließende Reflexionsrunde wird eingeleitet durch die Vorstellung der einzelnen Gruppen von möglichen Vor- und Nachteilen der Verwendung von Labels. Anschließend wird für eine vielschichtige Diskussion im Plenum Impulsfragen der Lehrkraft eingebracht, wobei u.a. auch der Fokus auf die Verbindung zur vorherigen Stunde zum Greenwashing liegt und sich grundlegenden Fragestellungen hinsichtlich des Themas gewidmet werden soll.

Hinweise und Differenzierungsmöglichkeiten

  • Die Gruppenarbeiten können auch im Plenum mit der ganzen Klasse thematisiert werden.
  • Bei der Gruppenarbeit zum Greenwashing bietet es sich an, dass jede Gruppe verschiedene Werbungen bzw. Verpackungen erhält.
  • Bei der Einordnung der Labels bietet es sich an, dass jede Gruppe verschiedene Labels und/oder Stellungnahmen zu verschiedenen Aussagen aufgreift. Dies ermöglicht einerseits das Kennenlernen von mehreren Labels andererseits können dabei unterschiedliche Kritikpunkte gefunden werden, die wiederum hilfreich für eine allgemeine Stellungnahme zu der Verwendung von Labels sein kann.

BNE-Kompetenzen

In dieser Unterrichtseinheit werden folgende BNE-Kompetenzen von Lernenden besonders gefördert.

Quellenverzeichnis

Griffin, Paul (2017). The Carbon Majors Database. CDP Carbon Majors Report 2017. Verfügbar unter: https://cdn.cdp.net/cdp-production/cms/reports/documents/000/002/327/original/Carbon-Majors-Report-2017.pdf?1501833772 (Stand: 9.3.2022)

Grimm, Andrea & Malschinger, Astin (2021). Green Marketing 4.0. Ein Marketing-Guide für Green Davids und Greening Goliaths. Wiesbaden: Springer Gabler.

Schnell, Tobias (2020). Ökolabel zwischen Greenwashing und Entscheidungshilfe. Eine markensoziologische Organisationsanalyse am Beispiel von Konsumgütern aus dem Lebensmittelsektor. Wiesbaden: Springer Gabler.

Siegelklarheit (2021). Sustainability standards comparison tool. Verfügbar unter: https://www.siegelklarheit.de/static/media/SGK_Factsheet-SSCT_DE_RK%20NEU.pdf (Stand: 9.3.2022)